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Eine kleine Galerie

Der erste Einstieg in ein E-Book

Cover:

Rezension von Klaus Ludwig Helf

Die Verlagsgruppe Droemer Knaur hat ihre digitale Plattform erweitert um „neobooks aktuell“. In diesem E-Book Single Format sollen gesellschaftspolitische Essays publiziert werden, die eine Lücke schließen zwischen tagesaktueller Berichterstattung und basalem Buch. Über Onlinekanäle schafft die Plattform „neobooks aktuell“ schnelle und nachhaltige Verbreitung von aktuellen und brisanten Debattenbeiträgen. Renommierte Autoren sollen in loser Folge mit ihren Beiträgen zu Wort kommen. Den Anfang macht Heribert Prantls Essay „Wer schützt die Verfassung vor dem Verfassungsschutz?“. Nicht zuletzt wegen der aktuellen Ereignisse um die Zwickauer Zelle der „NSU“ und den systematischen Beobachtungen von Abgeordneten der LINKEN provoziert Prantl mit der These, dass der Verfassungsschutz entweder vollkommen überflüssig oder gar gefährlich sei. Für Prantl ist es unfassbar, dass der Verfassungsschutz – ein Euphemismus für Inlandsgeheimdienst- konkrete Informationen über die Thüringer Neonazi-Szene besaß und nichts getan habe. 

Sollte sich dies nach den Untersuchungen des Bundestags- Sonderausschusses als wahr herausstellen, dann sei es höchste Zeit, die Verfassung vor ihren vermeintlichen Schützern zu schützen. Denn- so Prantl zu Recht- sei die Geschichte des Verfassungsschutzes in Deutschland „in nicht unwesentlichen Teilen eine Skandalgeschichte“: „Die Methoden, die der Verfassungsschutz angewendet hat, waren und sind keine Werbung für die Verfassung, die Fehler, die er gemacht und die Skandale, die er produziert hat, auch nicht“(S. 10).

Prantl erinnert an die illegalen Observationen u. a. von Gustav Heinemann (dem späteren Bundespräsidenten), von Viktor Agartz (Chefökonom des DGB), an die Gesinnungsschnüffeleien im Rahmen des „Radikalenerlasses“(40.tes Jubiläum!) oder an den ominösen Tod des Terroristen und V-Mannes Ulrich Schmücker (1974) oder an die Aufsprengung der Gefängnismauern in Celle (Celler Loch, 1978) oder an den Plutonium Skandal (1994), bei dem nicht Justiz und Polizei, sondern der Geheimdienst das Heft in der Hand hatte.

Ob der Sonderausschuss des Bundestags den Neonazi-Skandal ganz ausleuchten kann, bezweifelt Prantl, da dessen Zugriffsmöglichkeiten nur auf das Bundesamt für Verfassungsschutz, nicht aber auf die 16 Landesämter beziehen und da lassen sich einige wie z.B. in Bayern nicht in die Karten schauen.

Heribert Prantl recherchiert und schreibt nicht nur in der guten und leider heutzutage nicht mehr häufig zu findenden Tradition des investigativen Journalismus mit flüssigem Stil und erzählerischem Talent, sondern zeigt auch in der schlussfolgenderen Argumentation immer scharfe Kante- so auch hier. Er fordert ein striktes Legalisierungsprinzip für den Verfassungsschutz und wenn dieser polizeiliche Aufgaben übernimmt, „dann muss er entweder in die Polizei eingegliedert werden oder zumindest so kontrolliert werden wie diese: durch die Justiz.“

Die Idee des Verlags, mit dem „neobooks aktuell“ gesellschaftspolitisch aktuelle Themen online und gegen geringe Gebühren zu verbreiten, ist originell und zukunftsweisend, zumal die Social Communities auf diesem Wege rasch und flächendeckend zu erreichen sind. Damit kann neben anderen Online-Medien eine zusätzliche gesellschaftsrelevante Kommunikationsplattform begründet werden.

Für mich war es der erste Einstieg in ein E-Book, wenn auch zunächst ohne speziellen Reader. Ich bin sehr gut damit zu recht gekommen, gestört hat mich, dass ich den Text nicht wie gewohnt bearbeiten konnte: Unterstreichen, Markieren, Drucken etc. ist nicht möglich.

Ob sich das durchsetzen wird? Einerseits werden – nicht nur in den USA – erhebliche Wachstumskurven von E-Book-Nutzer-Märkten gemeldet, andererseits gibt es nach wie vor einen hohen Anteil von hartnäckigen Abstinenzlern.

Prognosen zum E-Book-Markt gibt es mittlerweile wie Sand am Meer- die Frage, ob das gedruckte Buch abgelöst wird, kann bislang nicht eindeutig beantwortet werden. Einiges spricht dafür, dass beide Medientypen in Zukunft im Wechsel und je nach Bedarf und Kontext sich jeweils ergänzend genutzt werden.

Heribert Prantl
Wer schützt die Verfassung vor dem Verfassungsschutz?
neobooks aktuell
12 Seiten
0,99 €
ISBN 978-3-8476-0100-5

3 Kommentare zu „Wer schützt die Verfassung vor dem Verfassungsschutz?““

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