Nach Bekanntgabe der Betreiber, sollen die Anlagen in Cattenom noch bis 2052 produzieren – Bei dem Stresstest im Atomkraftwerk Temelin wurden wie in Cattenom, unzählige Risiken nicht berücksichtigt
Cattenom (us) – Auf dem Parkplatz beim See Mirgenbach unmittelbar gegenüberliegend des Atomkraftwerkes Cattenom trafen sich am 09. Juni 2012, die Bürgerinitiativen Cattenom Non Merci, vertreten durch die Gründerin und Sprecherin Ute Schlumpberger, die unter anderem Gemeinderätin in Perl, (DIE LINKE) ist, sowie Stoppt Temelin, vertreten durch Brigitte Artmann, die auch Kreisrätin Bündnis90/Die Grünen aus dem Fichtelgebirge in Franken ist. Inhalte des Treffens waren vor allem, das grenzüberschreitende Engagement sowie die Ergebnisse des EU-Stresstests, bei dem sich beide schnell darüber einig waren, das beim EU – Stresstest nicht das maximalste, sondern nur das minimalste untersucht wurde und die wichtigsten Kriterien ganz außer Betrachtungsweise gelassen wurden. Selbst Experten aber auch der EU – Stresstestbeobachter Dieter Majer, geben dem Atomkraftwerk Cattenom die Note mangelhaft und üben überaus scharfe Kritik am Ergebnis des Stresstests – welcher gravierende Mängel im Atomkraftwerk Cattenom aufzeigt, die so schwerwiegend seien, dass der Weiterbetrieb, respektiv die Behebung derer, nicht zu rechtfertigen seien.
In direkter Blickrichtung auf das Atomkraftwerk Cattenom fielen ganz besonders die marode wirkenden Bausubstanzen der Reaktorhüllen auf, deren Kuppeln aus Stahlbeton gefertigt sind, aber auch der Zaun der das Atomkraftwerk Cattenom umgibt sowie der Wellblechschuppen, in welchen Brennstäbe lagern. Die älteste Anlage befindet sich seit April 1987 im kommerziellen Betrieb, die jüngste seit Januar 1992 – wobei hier keinerlei Unterschied bezgl. der aus Stahlbeton gefertigten Reaktorhüllen ersichtlich ist. Nach Bekanntgabe der Betreiber, sollen die Anlagen in Cattenom noch bis 2052 produzieren. „Jeder der sich mit Stahlbeton befasst, wird wohl feststellen, dass die bereits aktuell marode wirkenden Bausubstanzen, nicht das Jahr 2052 erlangen werden“, so Ute Schlumpberger.
Im EU- Stresstest wurden selbst die Folgen der Beschädigung der Reaktorhüllen (Containment), z.B. durch einen Flugzeugabsturz, entweder durch Unfall oder durch terroristische Aktivitäten verursacht, nicht berücksichtigt. „Haben die EU-Stresstestexperten die maroden Bausubstanzen der Reaktorhüllen untersucht oder berücksichtigt“, so Ute Schlumpberger fragend.
Kreisrätin Brigitte Artmann von den Grünen im Fichtelgebirge in Franken berichtet bei ihrem Besuch in Cattenom, dass sie stellvertretend für tausende Atomkraftgegner in Deutschland am 01 Juni 2012 Klage gegen die Tschechische Republik, gegen den Ausbau des Atomkraftwerkes Temelin bei Budweis in Südböhmen/Tschechien von zwei weiteren Blöcken (3+4)vor dem UN Aarhus Convention Compliance Commitee (ACCC) eingereicht hat. Die Entscheidung darüber fällt Ende Juni. Brigitte Artmann hatte sich bereits im September 2011 mit der Temelin Resolution gegen den Ausbau von Temelin ausgesprochen und viele Landkreise in Bayern, aber auch Städte wie Nürnberg, Fürth, München schlossen sich an.
Zurzeit läuft die UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) in ganz Deutschland und Brigitte Artmann hinterfragt, ob jede Bürgerin oder Bürger darüber in Kenntnis gesetzt ist. Deutsche Bürger müssen sich jedoch in Richtung Budweis begeben, obwohl ihnen laut geltenden internationalen und europäischen Rechts ein Anhörungstermin unter gleichwertigen Konditionen in Deutschland zustehen würde.
Bisher gab es über 17000 Einwendungen gegen Temelin und bis zum 18.Juni 2012 sind noch Einwendungen möglich unter: http://www.umweltinstitut.org/ausbau_temelin oder http://www.gruene-fichtelgebirge.de/temelin/
Weiter berichtet Brigitte Artmann, dass es in der tschechischen Regierung immer wieder zu Rücktritten von Ministern wegen Korruption gab. Jana Drabova, die Chefin der tschechischen Atomaufsicht SUJB und ihr Stellvertreter Petr Krs, halten die bekannte Akte 15/2001/SUJB unter Verschluss, eine geheime Dokumentation der riskanten Schweißnaht 1-4-5 direkt am Reaktor 1. Diese Schweißnaht hält nicht unter Stress. Greenpeace in Tschechien klagte durch alle Instanzen, jedoch die Akte ist immer noch geheim. Petr Krs ist ebenso Vertreter bei ENSREG Brüssel.
Bei dem Stresstest im Atomkraftwerk Temelin wurden wie in Cattenom, unzählige Risiken nicht berücksichtigt, wie z.B. Terrorangriffe über den Zaun, Angriffe mit dem Flugzeug oder der Kriegsfall. Es gibt keine Evakuierungspläne für hunderttausende von Menschen im Falle eines SuperGAU. Für ENSREG sind die Stresstests beendet. Die Kraftwerksuntersucher haben sich überhaupt nicht mit den Kraftwerken beschäftigt, sondern mit den nationalen Stresstestberichten.
Die vier AKWs, die die Kommission noch besuchen will, sind Fessenheim, Cattenom, Santa Maria de Garona und Temelin. Ob das noch geschieht, mit wem, für was und wie, ist noch nicht klar und wird möglicherweise nie klar. EU Kommissar Oettinger hat sich allerdings noch nie für die Schweißnähte in Temelin interessiert. Die Kommission jedoch ist informiert, betrachtet es aber als nationale Angelegenheit, die durch SUJB zu lösen sei – was rechtlich betrachtet korrekt sein mag und jedoch keine größere Sicherheit gibt und das Vertrauen in beiden geplanten neuen Reaktoren auch nicht erhöht. Auskünfte zur Schweißnaht, zum Stresstest Temelin sind über Herrn Jan Haverkamp, Greenpeace International, erhältlich.
Als krönenden Abschluss der beiden sehr eng miteinander verbundenen Themenbreite der AtomkraftwerkeTemelin sowie Cattenom, beschlossen Ute Schlumpberger und Brigitte Artmann, bei einem sehr schmackhaften Mittagessen in einem idyllisch an der Mosel gelegenen Restaurant, sich mit einem offenen sowie informativen Schreiben an EU Kommissar Oettinger zu wenden, um ihn persönlich über die komplette Problempallette in Kenntnis zu setzen und erhoffen sich dadurch, dass er gut informiert und mit offenen Augen und Ohren die Atomkraftwerke besucht.





















































































