Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Saarland
Von Georges Hallermayer
“Das Referendariat ist wie der Gotthard-Tunnel, man fährt im Regen hinein, hat Angst, dass was passieren könnte, und lässt ihn erleichtert im Sonnenschein hinter sich” mit diesem Bild beschrieb Peter Balnis, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft den zweiten Ausbildungsabschnitt der Lehrer auf der Pressekonferenz in Sarbrücken. Er konstatiert ein “Klima der Verängstigung und Unselbständigkeit” bei den angehenden saarländischen Lehrern, trotzdem haben sich 15 % aller ReferendarInnen und LehramtsanwärterInnen an der Umfrage 2012 beteiligt.
Sie haben aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht: Die Adjektive, mit denen sie die Referendariatszeit belegen, sind fast ausschließlich negativer Natur:
Andreas Sanchez, stellvertretender Landesvorsitzender der GEW-Saarland: “Die Referendare und Referendarinnen fühlen sich einem inkompetenten Fachleiter ausgeliefert”. Er listet die gröbsten Mängel auf, die sich auch schon so in der Umfrage 2008 gezeigt hatten:
Es mangelt an Transparenz bei Anforderungen und Bewertungen
Es gibt zu wenig Hilfestellung für die Weiterentwicklung von Kompetenzen. Oft erfolgen Bewertungen über die Eignung für den Schuldienst erst gegen Ende des Referendariats.
Intensität und Qualität der Betreuung hängen zu stark von einzelnen Personen (in der Regel den Fachleitungen) ab.
Die Belastung durch den Eigenverantwortlichen Unterricht ist insbesondere im Fach Didaktik der Primarstufe zu hoch.
Qualität und Professionalität der Ausbilder weisen zum Teil gravierende Mängel auf. Die Ausbildungsdidaktik hängt den eigenen Ansprüchen hinterher und die Lehrmethoden sind oft nicht erwachsenengerecht.
„Verbesserungen sind insbesondere am Studienseminar für Grund- und Hauptschullehrer dringend erforderlich“, meint er. „Die GEW hat gemeinsam mit ReferendarInnen und LehramtsanwärterInnen Forderungen entwickelt, für die wir uns mit Nachdruck einsetzen werden:“
Die Studienseminare müssen kontinuierlich und systematisch durch die Fachaufsicht des Bildungsministeriums evaluiert werden.
Die Kooperation zwischen Studienseminaren und Ausbildungsschulen muss verbessert werden. Dazu sind Leistungsvereinbarungen zwischen den Ausbildungsinstitutionen und einheitliche Standards für die Ausbildungsbegleitung und den Ausbildungsunterricht erforderlich.
Die Veranstaltungen in den Studienseminaren müssen den geforderten Unterrichtsformen an den Schulen entsprechen. Zukünftige LehrerInnen müssen in den Studienseminaren Methodenvielfalt, handlungs- und schülerorientierte sowie differenzierte Unterrichtsformen erleben.
Die Qualifizierung der Ausbilder muss durch systematische Fortbildung verbessert werden – vor allem in Hinblick auf Qualifikationen wie sie in der Erwachsenenpädagogik erforderlich sind.
Anforderungen und Bewertungen müssen transparenter und vergleichbar gemacht werden.
Um die Betreuung an den Ausbildungsschulen zu verbessern sollte ein Mentorensystem – wie es an Beruflichen Schulen schon existiert – eingeführt werden. Dadurch könnten auch die Bereiche Ausbildung und Bewertung entzerrt werden.
Alle Studienseminare des Saarlandes sollten zumindest räumlich unter einem Dach zusammengefasst werden. Dadurch wären bessere Ausstattung und bessere Öffnungszeiten für die Bibliothek und die Verwaltung möglich. Außerdem würde den Referendaren ein Ort zum Austausch, zur gegenseitigen Hilfestellung und für gemeinsame Veranstaltungen zur Verfügung stehen.
Die Büroleiterin des neuen SPD-Bildungsminister Commercon war auf der Pressekonferenz anwesend, ein optimistisches Zeichen dafür, dass die Forderungen der GEW ernstgenommen werden.




















































































