Benutzerlogin
Suche bei SK Online
Voyeur Cup 2013

08. Juni 2013



Mehr Info
Top-News

Samba, Funk, Blues & Rhythm`n Blues beim
St. Wendeler Stadtfest

14. - 16. Juni 2013
präsentiert vom Jazzförderkreis
St. Wendel



Mehr Info



--------------------

Musikmarathon am
Cusanus-Gymnasium

19. Juni 2013
mit dem Schulorchester SchuOC und den Big Bands Knallbonbon und Urknällchen



Mehr Info



--------------------

Das Big Trouble Projekt

15.9.-21.9.2013
Ausstellung, Lesungen
und Musik



Mehr Info
Weblinks








Eine kleine Galerie

„Lasst Träume fliegen“

Ruth Zimmer Peter Meiser Hans-Hermann Bohrer  „Kämpft – dann werden auch Träume wahr“ – Foto: Waltraud Andruet

Von Waltraud Andruet

Im Rahmen der Veranstaltungen anlässlich des einjährigen Bestehens des Ateliers von Mario Andruet in Saarwellingen fand dort am 29. Juni eine Lesung satirischer Texte von Peter Meiser statt, musikalisch begleitet von Ruth Zimmer und moderiert von Hans-Hermann Bohrer. Nach Begrüßung durch Waltraud Andruet stellte der Moderator zunächst die Künstler des Abends vor. Die Saarländerin Ruth Zimmer, akademisch ausgebildete Gitarristin und Sängerin mit Opernerfahrung sowie solistischer und Ensemble-Tätigkeit auf ihrem Instrument, schreibt, animiert vom aktuellen politischen Geschehen, mittlerweile eigene Lieder, woraus die Zusammenarbeit mit Peter Meiser entstanden ist. Meiser, ebenfalls Saarländer, kann auf Jahrzehnte politischen Engagements zurückblicken und verfasst bereits seit Jahren satirische Texte, die ihre Inspiration ausschließlich aus politischen Ereignissen und Entwicklungen beziehen. Er beherrscht das Stilmittel der Satire und umschreibt mit ihrer Hilfe Dinge, arbeitet mit der Doppelbödigkeit von Bedeutungen und mit Augenzwinkern, wobei jedoch die Botschaft am Ende nie im Unklaren bleibt; seine Texte sind alles andere als beliebig. Hans-Hermann Bohrer, der sich als „angelernter Saarländer“ (da erst zehn Jahre hier wohnhaft) vorstellte, hatte als dritter im Bunde die Aufgabe, durch seine Zwischentexte die zeitgeschichtlichen Hintergründe der Satiren und Lieder zu erläutern, Hinweise zu deren Entstehungsgeschichte zu geben und auf für das Verständnis wichtige Textdetails hinzuweisen.

Als erstes Lied trug Ruth Zimmer das „Gebet eines Bauern“ des Chilenen Victor Jara vor. Bohrer rief dem Publikum die Geschichte der Unidad Popular ins Gedächtnis, die durch demokratische Wahlen im Herbst 1970 an die Macht kam und unter Präsident Salvador Allende regierte, bis sie am 11. September 1973 (dem „anderen 11. September“) durch einen Militärputsch unter maßgeblicher Beteiligung der USA gestürzt wurde, bei dem Allende ums Leben kam. Die faschistischen Putschisten brachten den Volkssänger Jara um, so wie sie es mit Abertausenden Demokraten in Chile taten. Gleichzeitig wurde das Land Versuchslabor für die Entwickler des neoliberalen Wirtschaftsmodells, die Ökonomen der Schule von Chicago unter Milton Friedman.

Der erste Textblock von Peter Meiser war den „Dreiprozentigen“ ( http://www.saarkurier-online.de/?p=70863 ) gewidmet und beschäftigte sich mit den Eskapaden des Führungspersonals der FDP seit 2001 und deren in letzter Zeit vergeblichem Kampf um Wählerstimmen. Da Meiser sich mit Pferden, aber auch Eseln hervorragend auskennt, kamen in diesen Texten zahlreiche Bilder und Vergleiche aus dem Bereich dieser Tiergattung vor. Es folgte ein eigenes Lied von Ruth Zimmer, das sich mit den wirtschaftlich Abgehängten und Aufgegebenen und den heuchlerischen „Bemühungen“ befasste, diesen mit Bildungsgutscheinen eine Aufstiegsmöglichkeit zu bieten. Weiter ging es mit drei Geschichten von Peter Meiser zum Themenkomplex Überwachungsstaat, Geheimdienste, Datensammlungen. Darunter befand sich sein neuester Text („Bedrohung aus dem Internet“ – http://www.saarkurier-online.de/?p=71880), der beschreibt, wie durch ein eigentlich harmloses, in einem Text übersehenes überflüssiges Wort eine massive Überwachungsaktion und letztlich der Tod eines Menschen herbeigeführt wird, ohne dass die konzertierten Bemühungen der Geheimdienste das Rätsel am Ende auflösen können, denn ihr Scheuklappendenken geht ausschließlich in eine Richtung, in diesem Fall in die der islamistische Terrorgefahr. Auch dieser Text ist keine Erfindung, sondern basiert auf wahren Begebenheiten.

Ruth Zimmer trug im Anschluss ihr Lied von der Gerechtigkeit vor. Ist Gerechtigkeit erst dann vollzogen, wenn die Besitzverhältnisse gerecht sind, oder reicht dazu bereits die sogenannte Chancengerechtigkeit (nach der Devise „Jeder ist seines Glückes Schmied“)? Die Überleitung zum nächsten Textblock ergab sich zwanglos, da in ihm die Beschäftigungsverhältnisse und sozialen Auswirkungen angeprangert wurden, zu denen die durch Schröder 2003 eingeführten „Reformen“ unter dem Stichwort Hartz IV geführt haben. Bohrer erläuterte dazu, dass das Programm für dieses Regierungshandeln von Rot-Grün in einem Papier der Bertelsmann-Stiftung unter dem Titel „Wirtschaftspolitischer Forderungskatalog für die ersten 100 Tage der Regierung“ zusammengefasst war, veröffentlicht in der Wirtschaftszeitung Capital. Angela Merkel dankte ihrem Vorgänger im Kanzleramt 2005 ausdrücklich für das „mutige und entschlossene“ Aufstoßen einer Tür, um „unsere Sozialsysteme an die neue Zeit anzupassen“. Es folgten weitere Einblicke in die Wirtschaft, konkret zu den Profiten, die durch die Schweinegrippe gemacht wurden sowie zum militärisch-industriellen Komplex mit seinem gesamten Personal, vom Panzerfahrer Fritz über die Journalistin mit ihrem wohlwollenden Artikel über den Panzer bis zur Rüstungsfirma, die ihn herstellt.

Daran schloss sich Pete Seegers Lied „Sag mir wo die Blumen sind“ an, ein textlich sehr einfaches, dennoch ergreifendes Friedenslied, das wahrscheinlich gerade deshalb so große Verbreitung gefunden hat und zu dessen Entstehung und zur Biografie von Pete Seeger Hintergründe vermittelt wurden. Letzterer war in den 50er Jahren in den USA der antikommunistischen Verfolgung unter dem Senator McCarthy ausgesetzt, bei der es vorgeblich gegen „antiamerikanische Umtriebe“ ging, in Wirklichkeit jedoch eine moderne Form der Hexenjagd veranstaltet wurde. Im Falle Seegers bestand der Preis für sein Engagement in einem Jahr Haft und einem Medienboykott, der sich über 17 Jahre hinzog.

Der abschließende Textblock enthielt eine genau zum Abend passende Geschichte, wurde doch zur gleichen Stunde im Bundestag abschließend der Fiskalpakt und der neue Rettungsschirm ESM behandelt. Meiser beschrieb eine Ich-AG, die eine ganz besondere Dienstleistung anbietet: Parlamentsabgeordnete, die bei Abstimmungen Probleme haben, das von ihnen verlangte Abstimmungsverhalten mit ihrem Gewissen in Einklang zu bringen, geben für die Zeit der Abstimmung dort ihr Gewissen ab. Damit ist ihnen geholfen und bei Einführung in allen deutschen Parlamenten werden (hurra!) gleichzeitig 17 neue Arbeitsplätze geschaffen und 17 Firmen gegründet. Am Ende der satirischen Beiträge stand die Geschichte von Frau Krise und Herrn Aufschwung, in der für die Zuhörer schlüssig bewiesen wurde, dass die Regierung nicht lügt.

Zum Schluss trug Peter Meiser sein Gedicht „Lasst Träume fliegen“ vor und wurde dabei von Ruth Zimmer auf der Gitarre begleitet. Es ist eine Ermutigung, sich nicht der Resignation hinzugeben oder wegen seiner Visionen zum Arzt zu gehen, wie es Helmut Schmidt einst empfahl. Stattdessen endet das Gedicht mit der Aufforderung: „Kämpft – dann werden auch Träume wahr“.

1 Kommentar zu „Atelier Mario Andruet Saarwellingen – Lesung satirischer Texte von Peter Meiser,musikalisch begleitet von Ruth Zimmer“

Nachricht drucken Nachricht drucken
  • (at) sagt:

    dass “Meiser sich mit Pferden, aber auch Eseln hervorragend auskennt”,liegt wahrscheinlich daran, dass er schon jahrelang in der Politik tätig ist.

    Es sei auch noch eine Frage erlaubt: Im zweitletzen Abschnitt ist die Rede vom Fiskalpakt. Ist das richtig geschrieben? Oder müsste es Fieskahlpakt heißen?

Olaf Sundermeyer:
Rechter Terror in Deutschland
Eine Geschichte der Gewalt

Buchrezension von
Stefan Gleser




Mehr Info

Klaus Eichner, Karl Rehbaum
und Rainer Rupp: Deckname Topas
Der Spion Rainer Rupp in Selbstzeugnissen

Buchrezension von
Stefan Gleser




Mehr Info

Aus der Solidar-Werkstatt Österreich:
"Denn der Menschheit drohen Kriege..."
Neutralität contra EU-Großmachtswahn

Buchvorstellung




Mehr Info

Fetz / Fingernagel /
Leibnitz/ Pfundner (Hrsg.):
Nacht über Österreich
Der Anschluss 1938

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Paul Lendvai: Erinnerungen -
Leben eines Grenzgängers

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Asit Datta: Armutszeugnis
Warum heute mehr Menschen hungern als vor 20 Jahren

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Werner Geismar: Cattenom
Das Ende einer Laufzeit

Lesungsrezension von
Markus Pflüger




Mehr Info

Michael J. Sandel: Gerechtigkeit
Wie wir das Richtige tun

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Matthias Altenburg: Courage
Anstiftung zum Ungehorsam

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Gilles Reckinger: Lampedusa
Begegnungen am Rande Europas

Buchrezension von
Rupert Neudeck




Mehr Info

Martha C. Nussbaum:
Nicht für den Profit
Warum Demokratie Bildung braucht

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Wilhelm Heitmeyer und Kollegen:
Deutsche Zustände - Folge 10

Buchrezension von
Stefan Gleser




Mehr Info

Franz Alt, Bernd Lohse und
Helfried Weyer:
Aufbruch zur Achtsamkeit

Buchrezension von
Andreas Nassar




Mehr Info

Hans-Ulrich Wehler:
Die neue Umverteilung

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Richard Sennett:
Zusammenarbeit
Was unsere Gesellschaft zusammenhält

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Andreas Möller:
Das grüne Gewissen
Wenn die Natur zur Ersatzreligion wird.

Buchrezension von
Rupert Neudeck




Mehr Info

Franz Alt:
Auf der Sonnenseite
Warum uns die Energiewende zu Gewinnern macht

Franz Alt deckt in seinem neuen Buch, das im März 2013 als Piper-Taschenbuch erscheint, auf, wer die Energiewende bremst und warum sie dennoch alternativlos ist.




Mehr Info

Hans von Storch / Werner Kraus:
Die Klimafalle

Buchrezension von
Rupert Neudeck




Mehr Info

Robert Jungk: Das Sonnenbuch

Buchrezension von
Rupert Neudeck




Mehr Info

Stefan Frank: Kreditinferno
Ewige Schuldenkrise und monetäres Inferno

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Georg Seeßlen und Markus Merz:
Kapitalismus als Spektakel

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Attentatsversuch auf das Linke Liste/PDS Büro in Saarbrücken -
Der größte Mordanschlagversuch mit einer Bombe seit dem Massaker auf dem Münchener Oktoberfest 1980

Offener Brief -
Plädoyer für einen Untersuchungsausschuss im saarländischen Landtag




Mehr Info

Paul Craig Roberts:
Wirtschaft am Abgrund

Buchrezension von
antikrieg.com




Mehr Info

Hermann Fischer: Stoffwechsel
Auf dem Weg zu einer solaren Chemie für das 21. Jahrhundert

Buchrezension von
Rupert Neudeck




Mehr Info

Bernhard Schmid:
Distanzieren Leugnen Drohen
Die europäische extreme Rechte nach Oslo

Buchrezension von
Stefan Gleser




Mehr Info

Mainhardt Graf von Nayhauß:
Kauderwelsch Die Sprache der Politiker

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Martin Heidemanns, Nikolaus Harbusch:
Affäre Wulff
Bundespräsident für 598 Tage – Die Geschichte eines Scheiterns

Buchrezension von
Hans-Joachim Selenz




Mehr Info

Bernd Rausch und Joachim Schmitt:
Big Trouble im Viertel - Das Buch

Tolldreiste Geschichten aus dem Saarbrücker Chinesenviertel




Mehr Info

Hauke Friedrichs:
Bomben Geschäfte
Tod made in Germany

Buchrezension von
Klaus Ludwig Helf




Mehr Info

Tristram Hunt:
Friedrich Engels. Der Mann, der den Marxismus erfand

Buchrezension von Klaus Ludwig Helf




Mehr Info